Artikel vom 20.06.2008

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Elsass - Kultur

Jetzt brennen wieder die «Fackeln»

Am Samstag, 21. Juni 2008, ist der längste Tag des Jahres, der im Tal von Saint-Amarin stets mit dem Abbrennen des Johannisfeuer begangen wird - bis Samstag, 28. Juni

Von Redaktion



Weithin sichtbar im Tal: Die «Fackeln»-Johannisfeuer vom 21. und 28. Juni 2008


Der Sommer hat ja noch gar nicht angefangen - und schon wird es täglich wieder dunkler! Der 21. Juni gilt als Tag der «Sonnenwende», der Tag- und Nachtgleiche. Mit dem Abbrennen von bis zu 20 Meter hohen «Fackeln» an den beiden Samstagen vom 21. und 28. Juni 2008 begeht das Tal von Sankt Amarin in den Hochvogesen einen Brauch, dessen Wurzeln bis in vorchristliche Zeit reichen.




Der Reihentanz rund um das Johannisfeuer war früher Brauch bei den unverheirateten Mädchen - heute ist es Spass für das Publikum. Fotogravur nach einem Gemälde von Jules Breton. © culture.gouv.fr

Die Vorbereitungen für das Fest der Sonnenwende an Johannis beginnen im Sankt-Amarin-Tal bereits im Januar. Die «conscrits», der jeweilige Jahrgang der Ausgehobenen, beginnen im waldreichen Vogesental auf den Anhöhen über den Ortschaften mit dem Bau der «Fackeln», wie die Holzbeigen für das Johannisfeuer heissen. Sie können gut und gerne bis 20 Meter hoch werden. Die «Fackeln» werden mit Baumstämmen, wie beim Blockhausbau und mit quadratischem Grundriss, pyramidenförmig, also nach oben verjüngend, übereinandergeschichtet. Das Astwerk wird ins Innere gestopft, und bis zu Johannis ist es so dürr, dass es der Zunder fürs Feuer abgibt.

Traditionellerweise wird daneben eine kleine «Fackel» aufgeschichtet, die noch vor dem Eindunkeln angezündet wird. Es ist der Stolz der «conscrits» - dieses Jahr sind es die Geburtsjahre 1990, die 2010 einrücken müssen - die «Fackel» noch höher als jene des Nachbarortes zu bauen… Diese Türme sind im Tal von weitem und während Wochen sichtbar. Manchmal gelingt es rivalisierenden «conscrits» die «Fackel» der anderen noch vor dem Fest anzuzünden, weshalb die Burschen in der «gefährlichen» Zeit, ihre «Fackeln» nachts bewachen…

Die Orte, wo Johannisfeuer und dessen Fest abgehalten werden, variieren von Jahr zu Jahr etwas. Manchmal trifft es exakt den 21. Juni fürs Fest, und sonst ist es einfach ein Samstag davor oder danach. Aber damit immer genug Publikum zum Fest kommt, wechseln sich die Ortschaften mit der Wahl des Wochenendes etwas ab. So auch dieses Jahr, wo am Samstag, 21. Juni und am darauffolgenden, 28. Juni 2008, «Fackeln» abgebrannt und Johannis-Feste gefeiert werden (siehe Liste unten).

Das Fest ist jeweils begleitet von Unterhaltung durch die Ortsvereine, Musik und Tanz, und die «conscrits» verkaufen Getränke oder bereiten Grilladen. Gegen 21 Uhr wird der kleine Scheiterhaufen angezündet, und um zirka 22.30 Uhr geht ein Feuerwerk los, das je nachdem recht gross ausfällt. Danach wird die eigentliche «Fackel» angezündet. Das Publikum verharrt, bis der Spitz abfällt oder der Haufen in sich zusammenfällt. Danach gehts wieder nachhause.

Es empfiehlt sich, eine Wolldecke zum Draufsitzen mitzunehmen, vielleicht gar das Picknick, wenn man es nicht vorgezogen hat, zuvor in einer der Dorf-Wirtschaften zu speisen. Die Wirte empfehlen jedoch Reservation (siehe Infos unten). Man kann aber auch zu einem Pauschalpreis «Johannisfeuer» («Feux Sain-Jean») übernachten.

Die Tradition der «Johannisnacht» findet sich überall in Europa, zumal in den alemannischen Regionen. Johannis ist umrankt von Gebräuchen und Aberglaube. Zum Beispiel liessen die Melker und Kuhhirten im Sankt-Amarin-Tal in früheren Zeiten ihre Herde über die noch warme Asche der abgebrannten «Fackeln» treiben - was Krankheiten von den Tieren fernhalten sollte… Es gibt etliche volkskundliche Literatur dazu.

Übrigens können alle «Fackel»-Ortschaften per Bahn ab Basel SNCF erreicht werden (das U-Abo gilt bis Mulhouse, so dass man das Billett erst ab Mulhouse lösen braucht). Allerdings muss man wegen den Arbeiten für die Elektrifizierung der Eisenbahnstrecke diesen Sommer in Thann in einen Bus umsteigen (Fahrplan als PDF via untenstehendem Link abrufbar).




Ein übermütiger «conscrit» bei seinem Feuertanz.


Die «Fackel»-Ortschaften

Samstag, 21. Juni 2008

• Fellering
• Geishouse
• Kruth
• Wildenstein
• Mollau
• St-Amarin
(im Städtchen Festbetrieb mit Musik schon um 17 Uhr)
• Urbès


Samstag, 28. Juni 2008

• Moosch
• Oderen
• Ranspach



Nützliche Informationen

Das Touristenbüro von Saint-Amarin verfügt über eine Liste der Restaurants und Hotels, die spezielle Arrangements für Übernachtung und Johannis-Menüs anbieten und nimmt Reservationen vor:

Office de toursime de la Vallée de Saint-Amarin
81, rue Charles de Gaulle
F-68550 Saint-Amarin
Tel. +33 (0) 389 82 13 90
Fax +33 (0) 389 82 76 44
eMail: contact@ot-saint-amarin.com



Notieren Sie auch: am Montag, 30. Juni 2008, findet in Thann das traditionelle Gedenkfest «Drei Tannen» statt - lesen Sie mehr darüber auf webjournal.ch.

Übrigens lässt sich die Teilnahme an einem der Johannisfeuer-Feste ideal verbinden mit einem Besuch im Parc de Wesserling. Siehe Link unten. Der «Fackel»-Ort Ranspach ist beispielsweise in direkter Nachbarschaft von Wesserling.

Der Parc de Wesserling bietet derzeit in seinen vier Gärten und im Textil-Museum interessante Kunst-Ausstellungen.


Von Redaktion

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

• Homepage Office de Tourisme St-Amarin

• Flyer (F/D/E) zu den Johannis-Festen im St-Amarin-Tal

• Fahrpläne Mulhouse-Kruth-Mulhouse

• Homepage Parc Wesserling mit Deutschem Text im Format PDF


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