Artikel vom 25.05.2008

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Ottokars Cinétips

Doppelte Identität

Aus seinem Roman «Ben X» hat Nic Balthazar auch einen Film gedreht. Darin erzählt er von dem leicht autistischen Schüler Ben, dessen Leben sich in zwei Welten abspielt, und dem Schulalltag, wo er gequält wird.

Von Ottokar Schnepf



Zwischen Ralität und Imagination vermag Ben nicht zu unterscheiden und lebt somit ein eigenes Doppelleben.


Der introvertierte Ben zieht sich aus der Realität in ein Computerspiel zurück und phantasiert sich auch im Alltag als dessen Protagonist. Ein Überraschungsfilm aus Belgien, der eine perfekte Balance zwischen Realität und Imagination findet (seit Donnerstag, 22. Mai 2008, in Basel im «kult.kino atelier»).

Man würde es vielleicht verstehen, wenn Ben (Greg Timmermans) eines Tages Amok liefe. Deuten nicht auch die eingeschnittenen Szenen, in denen Menschen aus seiner Umgebung in «Ben X» direkt in die Kamera sprechen, darauf hin, dass etwas Schlimmes geschehen ist?

Bens leichter Autismus wird zu Hause akzeptiert (seine Mutter beantwortet Fragen, die sie ihm am Frühstückstisch stellt, gleich selber), doch in der Schule ist er als Einzelgänger und Aussenseiter Zielscheibe einiger Mitschüler, die ihm in der Klasse die Hose herunterreissen. Eine der vielen Demütigungen, die erst noch auf Handys festgehalten und ins Internet gestellt werden.

Da holt Ben die virtuelle Welt übel ein, in der er sonst in seinem zweiten Leben im Computerspiel «ArchLord» zu Hause ist. Beim Kampf gegen Drachen ist er ziemlich gut. Immer wieder wechselt der Film zwischen Ben und «Ben X», seiner Spieleridentität, hin und her. Als dann Scarlite, seine Gefährtin im Spiel, plötzlich lebendig wird, bekommt der Film eine überraschende Wendung und akzentuiert Bens Fantasie auch ausserhalb des Spiels.

Die Indizien mögen eindeutig sein, doch was das Verhältnis zwischen Imagination und Realität anbelangt, hält der Film noch einige Überraschungen bereit. So vermittelt das Regiedebüt von Nic Balthazar Denkanstösse, ohne belehrend zu wirken.

Von Ottokar Schnepf


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