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KulturSchweigen

Artikel vom 01.05.2008

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Ottokars Cinétips

Liebe nach Fahrplan

Der Aufschwung der ostasiatischen Kinematografien hat das Kino der letzten zwanzig Jahre vermutlich am stärksten geprägt: Seit Ende der Achtziger Jahre bis heute sind Hauptpreise fürs chinesische Kino bei Filmfestivals an der Tagesordnung

Von Ottokar Schnepf



Bilder wie arrangierte Stilleben machen diesen Film zu einem Seherlebnis der besonderen Art.


Zwei Regisseure, Zhang Yimou und Wong Kar-Wai, sind mit dieser Blüte untrennbar verbunden. Ihnen verdanken wir Filme wie «Rotes Kornfeld», «Heimweg», «Leben» (und Stars wie Gong Li) sowie «Chungking Express», «Ashes of Time», «In the Mood for Love». Und obwohl Wong Kar-Wai bereits einen Hollywood-Schinken drehte: «My Blueberry Nights», wird er mit seinen chinesischen Filmen identifiziert.

Doch China hat kinematografisch weitaus mehr zu bieten. Regisseure wie Wu Yigong, Xia Gang, Sun Zhou, Jia Zhangke und viele andere mehr und deren Filme gilt es noch zu entdecken. «Sanxia Haoren» von Jia Zhang-Ke, eine eindrückliche Schilderung des ländlichen Chinas, wurde 2006 bei den Filmfestspielen in Venedig ausgezeichnet, trotzdem fand er keinen Filmverleiher für die Schweiz.

Mehr Glück hatte «Ye Che» (Night Train) von Yinan Diao, um den sich trigon-film für die Schweiz bemühte. «Night Train» ist ein düsterer und Geduld fordernder Film über eine im Gericht arbeitende Frau, die ausschliesslich zum Tode verurteilte Frauen hinrichten muss.

Jedes Wochenende steigt Wu Hongyan in den Nachtzug und fährt in eine benachbarte Stadt, wo sie an einem organisierten Abendprogramm einer Ehe-Agentur teilnimmt. Sie trifft dort auf Li Jun, einen allein lebenden Arbeiter - den ehemaligen Gatten derjenigen Frau, welche Wu Hongyan als Letzte hingerichtet hat.

Der Film nimmt klar Stellung gegen die Todesstrafe, weshalb er vorerst in China nicht gezeigt werden darf. Doch noch andere Probleme werden angesprochen, wie zum Beispiel die Rolle des Geldes auch in Liebesbeziehungen, die Suche nach dem Sinn des Lebens.

«Night Train» erzählt seine Geschichte in langen, statischen Einstellungen und lässt die Bilder wie kunstvoll arrangierte Stillleben wirken. Film ist Kunst, das erfahren wir einmal mehr in diesem chinesischen Film. Und Film ist in der heutigen Kultur und Gesellschaft das zweifellos wichtigste künstlerische Ausdrucksmittel überhaupt.

Trotzdem spürt man immer wie mehr die Unsicherheit des Publikums - gilt es nun, sich «Night Train» anzusehen, oder doch lieber «I Am Legend» mit Will Smith.

Bleibt die Hoffnung, der «Night Train» möge von vielen Passagieren bestiegen werden.

Von Ottokar Schnepf


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